FAQ´s zu Collaborative Practice (CO-Prax)
![]() | Was ist "Collaborative Practice" (CP)? |
Collabortive Practice - oder Cooperative Praxis (Co-Prax) kurz CP - oft auch als Collaborative Law (CL) bezeichnet - ist eine in Deutschland neue Form der einvernehmlichen Scheidung. Das Verfahren kann auch auf andere Formen der rechtlichen Auseinandersetzung angewandt werden (Erbrecht, Unternehmensnachfolge, Wirtschaftrecht etc.).
Jede Partei hat einen eigenen, besonders geschulten Anwalt. Die Aufgabe der Anwälte ist, dabei behilflich zu sein, den Streit der Parteien auf eine für beide Seiten zufriedenstellen Art zu lösen. Wenn es den Rechtsanwälten nicht gelingt, den Parteien dabei zu helfen, ihre Probleme aussergerichtlich zu lösen, verlieren die Rechtsanwälte ihren Job und dürfen keine der beiden Parteien mehr vertreten. Alle Beteiligten verpflichten sich, respektvoll, ehrlich und in bester Absicht eine so genannte "win-win"-Lösung zu finden, die die wirklichen Interessen beider Parteien berücksichtigt.
Keine Partei darf zu Gericht gehen oder dieses androhen. Wenn dies trotzdem passiert, ist der CP-Prozess beendet und beide Rechtsanwälte haben sich für eine weitere Arbeit in diesem Fall disqualifiziert. Rechtsanwälte die in einem CP-Fall vertreten haben, dürfen unter gar keinen Umständen für ihre Mandanten zu Gericht gehen, solange keine endgültige Vereinbarung abgeschlossen worden ist.
![]() | Worin besteht der Unterschied zwischen CP und Mediation? |
Bei der Mediation gibt es eine "neutrale" Person, die den Parteien dabei unterstützt, ihre Probleme eigenständig zu lösen. Der Mediator ist nicht befugt, einer der Parteien Rechtsrat oder anderen Rat zu erteilen und es ist ihm auch nicht gestattet, einer der Parteien bei der Vertretung seiner Interessen beizustehen. Wenn einer der Medianten unsachlich wird oder nicht bereit ist, von seiner Position abzuweichen, kein Verhandlungsgeschick hat oder emotional stark betroffen ist, kann die Mediation leicht in ein Ungleichgewicht kommen. Wenn der Mediator dann versucht, helfend einzugreifen, kann dies von der einen oder der anderen Partei als Voreingenommenheit oder Parteilichkeit gewertet werden. Anwälte der Parteien sind in aller Regel bei der Mediation nicht anwesend, so dass ihr Rat in der aktuellen Situation fehlt.
CP wurde geschaffen, um mit derartigen Problemen besser umgehen zu können. Das gemeinsame Ziel einer einvernehmlichen und für beide Parteien zufriedenstellenden Lösung wird dabei jedoch aufrechterhalten. Jede Partei hat während des gesamten Prozesses qualifizierten Rechtsrat auf ihrer Seite. Selbst wenn es einer Partei schwer fällt, mit der anderen zu verhandeln oder ihr das nötige Verständnis für finanzielle Zusammenhänge fehlt oder sie in bestimmten Situationen besonders emotional oder sogar wütend wird, steht jederzeit ein Rechtsanwalt zur Seite der die "Wogen glätten" und eine sachliche Verhandlung führen kann. Es ist Sache des jeweiligen Rechtsanwalts mit seiner Partei zu arbeiten, wenn diese emotional oder unsachlich wird, um den Verständigungsprozess aufrecht zu erhalten. Erforderlichenfalls werden Dritte (Psychologen, Coaches, Steuerberater etc.) in den Prozess mit einbezogen.
![]() | Welche Informationen und Unterlagen stehen bei den CP-Verhandlungen zur Verfügung? |
Beide Seiten unterschreiben eine verbindliche Vereinbarung, in der sie sich verpflichten, alle Dokumente und Informationen, die in Bezug auf den Streitgegenstand wichtig sind, vollständig, rechtzeitig und freiwillig herauszugeben. "Mauern" und Nachrichtenverknappung oder gar -vorenthaltung sind nicht zulässig.
![]() | Was passiert, wenn eine der Parteien Nachrichten zurückhält oder unehrlich ist oder den CP-Prozess dazu benutzt um Vorteile zu gewinnen gegenüber der anderen Partei? |
So etwas kann selbstverständlich passieren. So etwas passiert auch in einer "normalen" Scheidung. Der Unterschied bei einer Scheidung, die nach dem CP-Prozess durchgeführt wird ist der, dass die CP-Vereinbarung es den beteiligten Rechtsanwälten vorschreibt, sich aus dem Prozess vollständig zurückzuziehen, wenn seine Partei weniger als vollkommen ehrlich ist oder an dem Prozess nicht mit voller Offenheit teilnimmt.
Wenn zum Beispiel eine der Parteien Dokumente verändert oder ganz zurückhält oder wenn ein Mandant absichtlich Sachen verzögert, um daraus einen wirtschaftlichen Vorteil zu erzielen, haben die Rechtsanwälte von vornherein versprochen, dass sie sich aus dem Fall zurückziehen und die Partei nicht mehr vertreten werden. Dasselbe gilt, wenn eine der Parteien eine Vereinbarung während des CP-Prozesses nicht einhält.
![]() | Wie kann ich wissen, dass es sicher für mich ist, in einem CP-Prozess mitzuarbeiten? |
Der CP Prozess kann nicht garantieren, dass jede Partei alle Einzelheiten seines Vermögens und/oder seines Einkommens angibt. Dies gilt selbstverständlich auch für jede konventionelle Scheidung. Im Ergebnis kann jede unehrliche Person mit sehr viel Aufwand Einkünfte und/oder Vermögen vor dem anderen verbergen und kann damit schließlich Erfolg haben. Die Kosten und der Aufwand derartiger Machenschaften aufzudecken, ist in aller Regel sehr hoch und mit ungewissem Ausgang.
Jede Partei ist im allgemeinen der beste Richter für die Frage, ob der andere Partner grundsätzlich ehrlich ist oder nicht. Wenn er oder sie auch in anderen Angelegenheiten nicht ehrlich ist, dann ist der CP-Prozess höchstwahrscheinlich nicht die richtige Methode. Aber wenn Sie Vertrauen darin haben, dass die andere Partei ehrlich ist, dann ist der CP-Prozess der richtige Weg für Sie.
![]() | Ist der CP-Prozess die beste Lösung für mich? |
Der Prozess ist sicherlich nicht für jeden Mandanten (oder auch für jeden Rechtsanwalt) der richtige Weg. Es lohnt sich aber, darüber nachzudenken, wenn einige oder sogar alle der nachstehenden Punkte für Sie zu treffen:
" Sie wünschen sich eine zivilisierte, verantwortungsvolle und respektvolle Lösung Ihrer Probleme.
" Sie wollen sich die Möglichkeit offen halten, mit Ihrem Partner auch nach der Trennung und Scheidung noch freundschaftlich umzugehen.
" Sie und Ihr Partner werden weiterhin das gemeinsame Sorgerecht für die Kinder behalten und Sie wünschen sich eine Situation, in der dies auch dann noch möglich ist, wenn Sie getrennter Wege gehen.
" Sie möchten Ihre Kinder vor den Problemen bewahren, die zwangsläufig mit einer streitigen Scheidung verbunden sind.
" Sie haben ethische oder spirituelle Glaubenssätze, bei denen größter Wert darauf gelegt wird, persönliche Verantwortung im Umgang mit Konflikten zu übernehmen.
" Sie legen Wert auf Privatheit in Ihren persönlichen Angelegenheiten und möchten nicht, dass diese öffentlich breit getreten werden.
" Sie schätzen Verantwortung und eigenständige Entscheidung und wollen nicht, dass Ihre höchstpersönlichen Angelegenheiten durch Dritten (Jugendamt, Richter etc.) entschieden werden, sei es in finanziellen Angelegenheiten oder aber auch bei der Regelung des Umgangs mit Ihren Kindern.
" Sie sind sich bewusst, dass ein Gericht in aller Regel nur dazu in der Lage ist verallgemeinernde Entscheidungen zu treffen. Sie hingegen wünschen eine kreative und auf Ihren individuellen Fall zugeschnittene Lösung der Probleme, die Sie und Ihr Partner miteinander haben.
" Sie legen einen wesentlich größeren Wert darauf, dass die Beziehung nach der Neuordnung Ihrer persönlichen Verhältnisse weiter funktioniert, wie darauf, aus der Trennung so viele wirtschaftlichen Vorteile, wie nur irgend möglich, zu ziehen.
" Sie sind sich darüber im klaren, dass die Lösung von Problemen mit Integrität nicht nur das Erreichen Ihrer eigenen Ziele, sondern auch das Erreichen der Ziele der anderen beteiligten Person(en) beinhaltet.
![]() | Mein Rechtsanwalt sagt, dass er eine Lösung in den meisten seiner Fälle erreicht. Wodurch unterscheidet sich der CP-Prozess? |
Jeder erfahrene CP-Rechtsanwalt kann Ihnen erklären, dass es einen großen Unterschied macht, ob eine Scheidungsvereinbarung in einem herkömmlichen Scheidungsverfahren erarbeitet wird oder aber durch den CP-Prozess. Die meisten Scheidungsvereinbarungen in den herkömmlichen Verfahren werden "auf die Schnelle" kurz vor oder im Verhandlungstermin vor dem Richter geschlossen. Vorhergegangenen ist ein langer Streit, bei dem viel emotionaler Schaden angerichtet wurde und der in der Regel auch viel Geld gekostet hat. Derartige Vereinbarungen werden meist unter Druck und unter Ausnutzung von Angst oder Unwissenheit abgeschlossen. Typisches Zitat: "Wenn du der Vereinbarung nicht zustimmst, dann bekommst du gar nichts!"
Bei einer CP-Vereinbarung läuft das ganz anders. Dieser Prozess ist von Anfang an darauf gerichtet, eine kreative und respektvolle Problemlösung zu ermöglichen. Er ist im Ergebnis schneller, weniger kostenintensiv, kreativer, individueller und verursacht weniger Stress. Die erzielten Ergebnisse sind für alle Beteiligten wesentlich befriedigender, wie dies in praktisch allen konventionellen Scheidungen möglich ist.
![]() | Warum ist der CP-Prozess so effektiv? |
Weil die CP-Rechtsanwälte einen völlig anderen Blickwinkel in Bezug auf ihren Job haben, wie "traditionelle" Rechtsanwälte. Wir nennen es einen Paradigmenwechsel. Statt die andere Partei "fertig zu machen" und für den eigenen Mandanten das meiste herauszuholen, gleichgültig, auf wessen finanzielle oder emotionalen Kosten, ist der Blick des CP-Rechtsanwalts immer darauf gerichtet, den "Kuchen" für beide Parteien zu vergrößern und eine Situation zu schaffen, die auch einen respektvollen Umgang der Parteien nach der Trennung ermöglicht.
CP-Rechtsanwälte sind keine "scharfen Hunde". Sie nutzen die Fehler der anderen Seite nicht aus. Sie drohen nicht und verletzten nicht. Sie haben es darauf abgesehen, gemeinsam mit ihren jeweiligen Mandanten nach sinnvollen und vernünftigen Lösungen zu suchen, die die Parteien in die Lage versetzt, auch nach der Trennung noch miteinander umzugehen.
CP-Rechtsanwälte vertrauen einander. Selbstverständlich sind sie in erster Linie ihren jeweiligen Mandanten verpflichtet. Aber Sie wissen auch, dass sie nur dann den wirklichen Interessen ihrer Mandanten dienen, wenn sie sich dem gemeinsamen Ziel einer einvernehmlichen Lösung verschreiben.
CP-Rechtsanwälte offerieren eine große Bandbreite an Lösungsmöglichkeiten, die bei streitigen Scheidungen fast nie und häufig auch in der Mediation nicht erreicht werden können. Der Vorteil ist, dass zwei Rechtsanwälte nicht, wie sonst üblich, in verschiedene Richtungen ziehen, sondern gemeinsam an einem Strang. Gleichgültig wie gut der Rechtsanwalt die Interessen seiner Partei vertritt, kann er als CP-Rechtsanwalt nur dann zu einer wirklich guten Lösung kommen, wenn er die Probleme der anderen Partei mit berücksichtigt. Das ist der besondere Charakter des CP-Prozesses, der in keinem anderen Streitbeilegungsverfahren gefunden wird.
In einem solchen Fall ist es natürlich möglich, wenn beide Parteien zustimmen, nur diesen einen Punkt durch das Gericht klären zu lassen. Es muss aber sichergestellt werden, dass der CP-Prozess im übrigen davon nicht beeinträchtigt wird.
![]() | Was ist wenn mein Partner einen Rechtsanwalt aufsucht, der von CP keine Ahnung hat? |
Die Meinungen der CP-Rechtsanwälte hierüber gehen auseinander. Einige - zu denen auch wir gehören - sind unter gewissen Bedingungen trotzdem bereit, eine CP-Vereinbarung abzuschließen. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass die Arbeitsweise des anderen Rechtsanwaltes bekannt ist und dieser zumindest eine Ausbildung als Mediator durchlaufen hat. Das Vertrauen der Rechtsanwälte zueinander in diesem Prozess ist unerlässlich. Wir unterstützen daher die Auffassung, dass ein Rechtsanwalt, der Scheidungsverfahren nach dem hier dargestellten System durchführt, nach Möglichkeit eine spezielle Ausbildung erhalten hat.
![]() | Warum ist es so wichtig, eine formelle Vereinbarung zu Beginn des CP-Prozesses zu unterzeichnen? |
Die spezielle Kraft, die der CP-Prozess auslöst, scheint sich nur dann wirklich zu entfalten, wenn die Rechtsanwälte und ihre Klienten tatsächlich zusammen in eine Richtung gehen, um ihre Probleme gemeinsam zu lösen. Wenn die Rechtsanwälte die Möglichkeit der gerichtlichen Auseinandersetzung immer als "Fall back Position" im Hinterkopf haben, kann der Wechsel zu einer gemeinsamen "win-win"-Lösung nicht passieren.
![]() | Weitere Informationen (in englischer Sprache) |
Hompage der IACP [hier klicken]


